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Zwischenräume in der Fotografie

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warum mich Momente zwischen Bewegung und Stillstand interessieren

Fine-Art-Portraitfotografie zwischen Präsenz und Abwesenheit

In der künstlerischen Portraitfotografie geht es selten um das Offensichtliche.

Mich interessieren weniger klare Gesten oder eindeutige Geschichten, sondern jene Momente, die sich nicht festhalten lassen: Übergänge, Zustände, Zwischenräume.

Zwischen Bewegung und Stillstand.
Zwischen Blick und Abwesenheit.
Zwischen dem, was sichtbar ist, und dem, was sich entzieht.

Diese fotografische Serie – „Zwischenräume“ – ist der Versuch, solche Momente sichtbar zu machen.


Der Mensch als Zustand, nicht als Abbild

In vielen Portraits wird der Mensch dargestellt. In meiner Arbeit versuche ich, ihn zu befragen.

Nicht: Wer ist diese Person?
Sondern: In welchem Zustand befindet sie sich?

Der Körper wird dabei nicht zum Objekt, sondern zum Resonanzraum.

Eine leichte Verschiebung der Haltung, ein unscharfer Blick, eine minimale Bewegung – all das erzählt mehr als eine eindeutige Pose.

Fotografie wird so zu einem Dialog zwischen Mensch, Licht und Zeit.


Zeit als Material der Fotografie

Zeit ist nicht nur Rahmenbedingung, sondern Material.

Durch Langzeitbelichtung, Bewegungsunschärfe oder reduzierte Gesten entsteht ein Bildraum, in dem Zeit sichtbar wird.

Der Moment wird gedehnt, fragmentiert, manchmal fast aufgehoben. Mich interessiert genau dieser Zustand: wenn ein Bild weder eindeutig Bewegung noch völlige Ruhe zeigt.

Der Zwischenraum wird zum eigentlichen Motiv.


Zwischenräume als fotografisches Konzept

„Zwischenräume“ ist keine lineare Erzählung.

Die Serie folgt keiner Handlung, sondern einer Wahrnehmung. Jedes Bild steht für einen Moment, der nicht abgeschlossen ist.

Fotografien wirken wie Fragmente eines inneren Zustands – offen, brüchig, tastend.

In diesem Sinne ist die Serie weniger Dokumentation als Untersuchung: Was geschieht, wenn Fotografie nicht erklärt, sondern offen lässt?


Begegnung statt Inszenierung

Die Arbeit entsteht im Dialog mit den Menschen vor der Kamera. Es geht nicht um perfekte Bilder, sondern um Präsenz. Um das Vertrauen, sich für einen Moment dem Blick zu öffnen – ohne Rolle, ohne Pose.

Die Kamera wird dabei nicht zum Instrument der Kontrolle, sondern zum Medium der Begegnung.


Warum Zwischenräume wichtig sind

Vielleicht berühren uns Bilder nicht dann, wenn sie etwas klar zeigen, sondern dann, wenn sie etwas offen lassen.

Zwischenräume sind jene Momente, in denen Bedeutung entsteht, ohne festgelegt zu sein. Sie sind Orte der Wahrnehmung – und vielleicht auch Orte der Erinnerung.

Wenn meine Bilder etwas suchen, dann genau das: nicht Antworten, sondern Resonanz.


Verwandte Projekte und Texte

  • Fotografische Serie: Zwischenräume
  • Essay: Portrait als Zustand, nicht als Abbild
  • Projekt: Künstlerportraits in Berlin

© Lars Walter

Fine-Art-Fotografie und künstlerische Portraits in Berlin